Energiewende und Energieversorgung
Winsen (Luhe) - 18.12.2014
Quelle: Landkreis Harburg

Tennet TSO GmbH informierte über Trassenvarianten im Landkreis

Landrat Rainer Rempe: „Wir werden das Verfahren nutzen und gemeinsam mit Kommunen und Bürgern unsere Bedenken gegen eine noch stärkere Belastung unserer Region deutlich machen!“

Um Windenergie von Offshore-Anlagen in der Nordsee nach Süddeutschland zu leiten, plant die Firma Tennet TSO GmbH die Gleichstromtrasse „Suedlink“ von Wilster in Schleswig-Holstein ins bayrische Grafenrheinfeld. Tennet hat eine Vorzugstrasse sowie Alternativen, die auch den Landkreis Harburg betreffen, am 12. Dezember bei der Bundesnetzagentur zur Genehmigung vorgelegt. Um die Öffentlichkeit über die Trassenplanung und das Genehmigungsverfahren zu informieren, luden Kreisverwaltung und Samtgemeinde Tostedt am 10. Dezember zu einer Bürgerversamlung in die Schützenhalle Tostedt ein.

Die Tennet-Vertreter Marius Strecker und Paula Walther stellten rund 100 Bürgern, Kommunalpolitikern und Verwaltungsmitarbeitern den „Suedlink“ vor. Besonders im Fokus der Veranstaltung standen das weitere Verfahren sowie die Beteiligungsmöglichkeiten für Bürger und Kommunen. Im nächsten Schritt des Verfahrens wird die Bundesnetzagentur zu Antragskonferenzen entlang der Trassen einladen. Ort und Zeit stehen noch nicht fest.

Der Landkreis Harburg hat bereits jetzt ablehnende Stellungnahmen eingereicht, um auf die vielfältigen Gründe wie Siedlungsentwicklung und Naturschutz hinzuweisen, die gegen die Trassenvarianten im Landkreis sprechen. Aus Sicht der Kreisverwaltung sollte an der Vorzugstrasse außerhalb des Landkreises festgehalten werden, die von Tennet zudem als deutlich geeigneter bewertet wird als die Alternativtrassen.

Landrat Rainer Rempe: „Die neu ins Spiel gebrachten Varianten würden unseren Landkreis massiv betreffen, der ohnehin schon durch ein dichtes Verkehrsnetz belastet ist. An den bisherigen Planungen war die Kreisverwaltung nicht beteiligt. Wir wurden erst sehr kurzfristig über die neuen Varianten informiert und haben sofort mit ablehnenden Stellungnahmen reagiert. Das jetzt anlaufende Verfahren werden wir nutzen und gemeinsam mit Kommunen und Bürgern unsere Bedenken gegen eine noch stärkere Belastung unserer Region deutlich machen.“

Der Landkreis informiert ab sofort auf der Internetseite www.landkreis-harburg.de/suedlink über den Ablauf des Verfahrens, Dort findet sich auch die ablehnende Stellungnahme der Kreisverwaltung. Alle Informationen von Tennet zum „Suedlink“ sind unter www.suedlink.tennet.eu verfügbar.

Hintergrund: Die Energiewende macht eine Gleichstromtrasse von Nord- nach Süddeutschland erforderlich. Während in den verbrauchsstarken Regionen in West- und Süddeutschland Atom- und Kohlekraftwerke stillgelegt werden, entstehen große Offshore-Windparks an den norddeutschen Küsten. Um den dort produzierten Strom nach Süddeutschland zu leiten, ist ein Ausbau der Übertragungsnetzkapazitäten notwendig. Für den Neu- und Ausbau des Stromnetzes arbeiten die Bundesnetzagentur und die Übertragungsnetzbetreiber einen Netzentwicklungsplan aus. Teil dieser Planung ist der „Suedlink“.

Der „Suedlink“ soll Energie in Form von Gleichstrom statt des sonst üblichen Wechsel- oder Drehstroms transportieren. Diese Technologie führt beim Transport über weite Strecken zu geringeren Energieverlusten. Für das Ausbauprojekt hat die Tennet technisch machbare Trassen untersucht und eine einen Kilometer breite Vorzugstrasse außerhalb des Landkreises Harburg erarbeitet, die so genannte „A1-A27-Trasse“ über Dollern, Brest, Ahlerstedt, Heeslingen, Scheeßel, Sottrum, Hassendorf, Kirchlinteln und Walsrode. Zu dieser Trasse fand ein Bürgerbeteiligungsprozess außerhalb des damals noch nicht betroffenen Landkreises Harburg statt.

Dabei konnten die Betroffenen Alternativtrassen vorschlagen, die von Tennet auf ihre Machbarkeit untersucht wurden. Der Landkreis Harburg ist von vier dieser Alternativen betroffen:

  • Moisburg – Heidenau – Wistedt – Königsmoor („Heidenau-Korridor)
  • Elstorf – Eversen-Heide – Rade – Sprötze – Welle – Wintermoor („B3-Korridor“)
  • Elstorf – Dibbersen – Nenndorf – Eckel – Klecken – Lindhorst – Ramelsloh – Pattensen – Luhdorf – Radbruch („Ost-Korridor“)
  • Elstorf – Dibbersen – Nenndorf – Eckel – Klecken - Lindhorst – Ramelsloh – Marxen – Brackel – Tangendorf – Toppenstedt – Garlstorf – Egestorf – Evendorf („A7-Korridor“)

Tennet hält den ursprünglich vorgeschlagenen Netzkorridor für deutlich geeigneter als die Trassenvarianten über das Gebiet des Landkreises Harburg. Der Netzbetreiber hat die Vorzugstrasse und die Alternativvarianten der Bundesnetzagentur am 12. Dezember zur Genehmigung vorgelegt. Die Bundesnetzagentur wird die Planungen bewerten und einen Trassenkorridor festlegen, der für den Vorhabenträger verbindlich ist. Das anschließende Verfahren der Bundesfachplanung ist mit einem Raumordungsverfahren vergleichbar und beinhaltet eine Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger sowie der Träger Öffentlicher Belange in Antragskonferenzen. Am Ende dieses Verfahrens steht die Genehmigung des endgültigen Trassenkorridors, bevor in einem Planfeststellungsverfahren der exakte Verlauf des Suedlink geregelt wird.

Teilen Sie diesen Beitrag


Landkreis Harburg
direkter Link zum Artikel

Quelle: Landkreis Harburg