Wasser- und Abwasserwirtschaft
Schwerin - 23.06.2022

Schutz vor Hochwasser 

Anlässlich des Landesverbandstages der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V. mahnt der Minister für Klimaschutz, Landwirt­schaft, ländliche Räume und Umwelt, Dr. Till Backhaus, einen strategischen Umgang mit der wichtigen Ressource Wasser an:

„Neben dem von der Bundesregierung vorgelegten Entwurf einer Nationalen Wasserstrategie sind einige Bundesländer diesem Beispiel mit eigenen Strategien bereits gefolgt oder arbeiten – wie auch wir in Mecklenburg-Vorpommern – aktuell daran.

Im Hinblick auf die Anpassung an die Folgen des Klimawandels möchte ich beispielhaft folgende Gesichtspunkte nennen:

a) Vor Hochwasser an Fließgewässern schützen:

Das Hochwasser an der Ahr vom 15.7.2021 hat uns wieder einmal nur zu deutlich vor Augen geführt, welche verheerenden Auswirkungen Starkregenereignisse haben können und wie unberechenbar Naturgewalten sind. Vorhandene Pläne und Anlagen sind daher auf ein ausreichendes Schutzniveau hin zu überprüfen.

Erst jüngst wurde z.B. für die Elbe gemeinsam mit den anderen Anrainer-Ländern ein neues Hochwasser­schutzkonzept aufgestellt, dem ein um ca. 10 % erhöhter Bemessungsabfluss zugrunde liegt. Es sollen aber auch solche Fließgewässersysteme in den Fokus genommen werden, die bislang „unauffällig“ bezüglich Hochwasserereignisse waren. Hier sind die Betroffenheit und die Risiken neu zu bewerten.

b) Vor Sturmhochwasser an der Küste schützen:

Zwischen 1880 und 2009 ist der Meeresspiegel weltweit um 21 Zentimeter gestiegen. Auf Basis des Sonder­berichts des IPCC, der bis zum Ende des Jahrhunderts einen Anstieg des Meeresspiegels im Mittel von 84 cm vorhersagt, haben sich die norddeutschen Bundes­länder im Jahr 2020 darauf verständigt, für zukünftige Konzeptionen und Planungen ein Vorsorgemaß von 1,0 m bezogen auf 100 Jahre zu verwenden. Dieses Vorsorge­­maß wird bei der Planung neuer Küstenschutz­anlagen in M-V angewendet.

c) An steigenden Meeresspiegel anpassen:

An der Ostsee werden nicht oder weniger intensiv vom Küsten- und Sturmflutschutz bevorteilte Gebiete, insbesondere Polder zunehmend vom Meer in Anspruch genommen, da ab einem bestimmten Meeresspiegel die Entwässerung und ihr Schutz aus verschiedenen Gründen nicht auf Dauer gewährleistet kann. Es bedarf der Entwicklung von Wohn- und Nutzungsmöglich­keiten, die mit steigendem Grundwasser- und Meeres­spiegel vereinbar sind und perspektivisch auch Rückzug aus gefährdeten Gebieten, für die der technische Hochwasserschutz nicht mehr gewährleistet werden kann.

d) Landschaftswasserhaushalt stabilisieren:

Im Sinne eines umfassenden Ressourcenmanagements muss der Wasserhaushalt insgesamt betrachtet werden. Insbesondere in den Regionen Norddeutschlands, in denen die Gewässer und der Wasserhaushalt in den letzten Jahrhunderten durch menschliche Eingriffe nachteilig verändert wurde. Wasser muss wieder verstärkt in der Landschaft zurückgehalten werden, um Dürren besser ausgleichen zu können und die Grundwasserneubildung zu fördern. Hierzu dienen reaktivierte natürliche Landschaftselemente (Binnenentwässerungsgebiete, Sölle, Moore, Senken). Gewässer- und ihre Niederungen sollen renaturiert werden, um robuster gegen klimabedingte Extreme wie Niedrig- oder Hochwasser zu werden. Moore nehmen in diesem Zusammenhang eine besondere Rolle ein. CO2-Emissionen aus degradierten Mooren müssen gestoppt werden und im Gegenzug sollen Moore wieder CO2 speichern.

e) Gewässer schützen und nachhaltig nutzen:

Grund- und Oberflächengewässer müssen als wichtige Ressourcen vor Stoffbelastungen geschützt und nachhaltig genutzt werden. Vorrang hat weiterhin die Versorgung mit Trinkwasser. Die Kompensation von ausbleibenden Niederschlägen durch Bewässerung kann bei sinkendem Dargebot nur in Ausnahmefällen eine geeignete Anpassungsstrategie sein.

Einträge von Spurenstoffen aus Arznei- und Pflanzenschutzmitteln, Mikroplastik, antibiotika­resistente Keime sind noch stärker in den Fokus zu nehmen. Da es wesentlich effizienter ist, Schadstoffe schon an der Quelle zu vermeiden, als sie über „end of pipe“-Lösungen mühsam herauszufiltern, ist eine stärkere Hersteller- und Produktverantwortung umzusetzen, am besten durch eine europäische Lösung. Dennoch werden wir nicht an „vierten Reinigungs­stufen“ auf relevanten Kläranlagen vorbeikommen.

f) Städten und Gemeinden an Klimaextreme anpassen, Wasserinfrastrukturen weiterentwickeln:

Die nachteiligen Wirkungen von Bebauung, Straßen und sonstiger Infrastruktur auf die Durchlüftung, Erwärmung und den Wasserhaushalt im besiedelten Bereich sollen durch geeignete Anpassungsmaßnahmen gemindert werden. Der immer noch zunehmenden Versiegelung muss mit innovativen Bauweisen begegnet werden. Ziel wird es sein, wassersensible Stadtentwicklungen zu etablieren. An dieser Stelle bin ich dann auch wieder bei der zukünftigen „Klimakennung“ der DWA in ihrem Regelwerk.

Ziel von Maßnahmen der Niederschlagswasser­bewirtschaftung muss es sein:

  • abflusswirksame Flächen zu reduzieren,
  • das Verdunsten und Versickern von Niederschlagswasser mittels dezentraler Systeme zu forcieren,
  • Niederschlagswasser, dort wo möglich, zu speichern, zu nutzen oder verzögert abzuleiten,
  • die behandlungsbedürftigen Niederschlagswassermengen zu begrenzen.

Aber auch in unbebauten Gebieten können Starkregen Umweltschäden hervorrufen, bspw. durch Bodenero­sion oder Stoffeinträge durch Abschwemmungen von landwirtschaftlichen Betrieben. Diese Schadens­potenziale müssen identifiziert und geeignete Maß­nahmen ergriffen werden.

g) Flankierende Maßnahmen zur Unterstützung der Wasserstrategie umsetzen:

Für den Erfolg der Wasserstrategien braucht es auch unterstützende Maßnahmen. Insbesondere in der Landwirtschaft muss es gelingen, eine gewässersensible Landwirtschaft zu entwickeln, die dennoch einträglich ist und unsere Versorgung mit Nahrungsmitteln sichert. Auf Mooren bzw. Moorböden besteht die große Herausforderung darin, die Degradation und damit die CO2-Emissionen zu stoppen und dennoch Wertschöpfung zu erzielen“, so Minister Backhaus abschließend.

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