Wasser- und Abwasserwirtschaft
Bremen - 15.10.2020
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waste:research Studie zur Entsorgung von Klärschlamm in Deutschland bis 2030

Neue rechtliche Rahmenbedingungen in Verbindung mit knapper werdenden Mitverbrennungsanlagen stellen den Markt für Klärschlammentsorgung vor große Herausforderungen.

Da sich Monoverbrennungsanlagen für das in der novellierten Abfallklärschlammverordnung vorgeschriebene Phosphorrecycling voraussichtlich eignen, ist hier derzeit ein Planungs- und Bauboom zu beobachten. Während aktuell Verzögerungen beim Bau zu einer weiterhin angespannten Entsorgungssituation in Teilen Deutschlands führen, wird zukünftig durch den starken Anstieg von Monoverbrennungsanlagen zunehmend die Problematik von Überkapazitäten entstehen. Zu diesem Ergebnis kommt die Potenzialstudie „Klärschlammentsorgung 2030“ von waste:research.

Der deutsche Markt für die Klärschlammentsorgung befindet sich derzeit im Umbruch: der zeitnahe Ausstieg aus der landwirt­schaftlichen Klärschlammverbringung aufgrund der festgelegten Phosporrückgewinnungspflichten in der novellierten Abfallklärschlammverordnung (AbfKlärV) sowie der aktualisierten Düngemittelverordnung stellt Betreiber von Kläranla­gen als auch angeschlossene Kommunen vor er­hebliche Herausforderungen. Die nun beschlossene Abschaltung der mit Kohle gefeuerten Kraftwerke bis spätestens 2038 und die damit immer knapper werdenden Mitverbrennungs­kapazitäten sowie (dadurch) steigende Entsorgungspreise setzen die Marktakteure zusätzlich unter Handlungsdruck.

Zudem spielt die ebenfalls in der neuen AbfKlärV eingeführte rechtliche Vorgabe des Phosphorrecyclings bei der Entwicklung des Marktes eine treibende Rolle: aufgrund des Verbots der bodenbezogenen Klärschlammverwertung für große Teile des Klärschlamms muss dieser nun in Mono- und Mitverbrennungsanlagen entsorgt werden. Mit dem Einsatz in Mitverbrennungsanlagen ist der Phosphor des Klärschlammes jedoch in der Regel verloren; Potenzial für die Phosphorrückgewinnung zeigt vor allem die Monoverbrennung von Klärschlämmen.

Rechtliche Änderungen führen zu einem massiven Zubau von Monoverbrennungsanlagen

Entsprechende Reaktionen wurden in den letzten Jahren deutsch­landweit durch einen Planungs- und Bauboom für Monoverbrennungsanlagen beobachtet: derzeit sind 43 Projekte für Klärschlamm-Monoverbrennungsanlagen mit einer geplanten Gesamtkapazität von 1,34 Mio. t TR bekannt. Im Vergleich zu den bestehenden Kapazitäten ist dies ein sehr massiver Zubau: aktuell sind in Deutschland nur 25 Anlagen mit einer Gesamtkapazität von knapp 620.000 t TR in Betrieb. Viele der neuen Anlagen sind in den großen Ballungszentren bzw. Städten, wie Berlin, München, Rheinland-Region, Rhein-Main-Region etc., geplant.

Während gegenwärtige Verzögerungen beim Bau der geplanten Projekte (u.a. durch Einwände aus der Bevölkerung und die damit verbundene Einleitung rechtlicher Schritte gegen die Vorhaben) noch zu einer weiterhin angespannten Entsorgungssituation in Teilen Deutschlands führen, wird zukünftig durch den starken Anstieg von Monoverbrennungsanlagen zunehmend die Gefahr von Überkapazitäten im Markt entstehen. Insbesondere in einzelnen Regionen mit vielen Neubauprojekten kam und kommt es dadurch zu einem „Wettlauf“ um Verträge.

Entwicklung der Klärschlammentsorgung stark abhängig von weiteren rechtlichen Änderungen und dem Fortgang der COVID-19-Pandemie

In der Studie „Klärschlammentsorgung 2030“ von waste:research wird die weitere Marktentwicklung in vier verschiedene Szenarien prognostiziert. Diese berücksichtigen insbesondere die Weiterentwicklung und Umsetzung der relevanten rechtlichen Rahmenbedingungen sowie den Fortgang der COVID-19-Pandemie und der entsprechenden Auswirkungen auf die Planungs- und Bauvorhaben, z.B. von Monoverbrennungsanlagen.

Im ersten und zweiten Szenario wird die landwirtschaftliche Nutzung von Klärschlamm zugunsten thermischer Verwertung in der Mit- und Monoverbrennung weiter reduziert. Aufgrund von COVID-19 werden Bauvorhaben im ersten Szenario von weiteren Stillständen und verordneten „Zwangspausen“ unterbrochen und Projekte verzögern sich um ein bis zwei Jahre. Im zweiten Szenario werden die Corona-Maßnahmen im Frühjahr 2021 aufgehoben und die Produktion wird stufenweise hochgefahren. Die Projekte verzögern sich bis zu einem Jahr und „ruhen“ teilweise durch Rechtstreitigkeiten (u.a. Klagen sowie Einwände von Bürgerinitiativen und Umweltorganisationen).

Im dritten und vierten Szenario wird die landwirtschaftliche Nutzung von Klärschlamm vollkommen eingestellt. Im dritten Szenario wird nach weiteren Lockerungen der Einschränkungen bereits in wenigen Monaten ein Leben wie vor Corona möglich sein. Die Projekte werden zeitnah fertiggestellt, mit Ausnahmen einzelner Vorhaben, bei denen die Finanzierung Probleme bereitet (u.a. technische Zulassung und gesellschaftliche Einwände). Auch das vierte Szenario geht von einem geringen Einfluss von COVID-19 aus, bei der die Produktion nach schnellem Hochfahren ihre Auslastung bereits in naher Zukunft wieder erreicht. Alle neuen Projekte werden nach Zeitplan fertiggestellt.

In diesem letzten Szenario wird somit auch eine Gesamtkapazität von ca. 1,84 Mio t TS erreicht. Die dabei entstehenden Überkapazitäten verringern die Inputvolumen der Mitverbrennungsanlagen deutlich, die bereits rechtzeitig auf alternative Brennstoffe zurückgreifen müssen. Zusätzlich zu den „erwartbaren“ Kapazitäten sind hier noch Restkapazitäten in Planung, bei denen bisher kein Datum für die Inbetriebnahme feststeht. Bei Addition dieser noch versteckten Volumina wird die Grenze von zwei Mio. t TS überschritten.

waste:research Studie analysiert Chancen für die Klärschlammentsorgung in Deutschland bis 2030

Die Studie „Klärschlammentsorgung 2030 (5. Auflage)“ des Trend- und Marktforschungsinstituts waste:research (powered by trend:research) bietet auf Basis der Vorauf­lage einen aktualisierten Überblick über die derzeitigen Planungen von Monoverbrennungs­anlagen. Auf der Basis der Verände­rungen bei Aufkommen und (Mitverbrennungs-)Kapazitäten werden die Märkte der Bundesländer aufgezeigt und auf die jeweiligen Über- und Unterkapazitäten überprüft. Davon ausgehend wird in der Studie zudem die Entwicklung der Verwertungswege bis 2030 in mehreren Szenarien – auch unter Berücksichtigung der Coronakrise – prog­nostiziert.

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