Wasser- und Abwasserwirtschaft
Hanau - 12.08.2020
Stadt Hanau

"Die derzeitige Hitzeperiode zeigt: Auch kleine Schritte sind wichtig, um Wasser zu sparen", sagt Stadtrat Thomas Morlock.

Dazu zähle eine Methode der Abwasser-Wiederverwendung im Klärwerk Hanau, die der städtische Eigenbetrieb Hanau Infrastruktur Service (HIS) seit Kurzem einsetzt. Mit einer UV-Desinfektion wird ein kleiner Teil als Wasser für betriebsinterne Zwecke genutzt, um beispielsweise die Rechenanlage zu reinigen.

Dabei strömt das gereinigte Abwasser, das sogenannte Klarwasser, durch ein Bündel von röhrenförmig angeordneten Lampen mit ultraviolettem Licht. Deren Strahlungswellen machen die im gereinigten Abwasser weiterhin enthaltenen Keime und andere organische Verunreinigungen unschädlich. Das gereinigte Abwasser ist zwar von sämtlichen Grobstoffen befreit, von ungelösten mineralischen und organischen Inhaltsstoffen sowie von den meisten gelösten Inhaltsstoffen, aber Keime sind weiterhin enthalten. "Wollte man die gesamte Abwassermenge keimfrei machen, wäre das verfahrenstechnisch und finanziell eine Herausforderung, die nicht ohne Auswirkung auf die Abwassergebühr bliebe", erklärt Stadtrat Morlock.

Der Betriebswasserverbrauch an Klarwasser liegt im Klärwerk Hanau bei etwa 80.000 Kubikmetern im Jahr. "Das meiste davon wird für die Aufbereitung von Rechengut und Sand benötigt, also als Waschwasser verwendet", erläutert Michael Ruess, bei HIS Abteilungsleiter für Abwasserbeseitigung. Geringere Mengen werden für das Ansetzen von Hilfsstoffen und zu Reinigungszwecken benötigt.

Würde dafür Trinkwasser verwendet, entstünden jährlich Kosten in Höhe von etwa 150.000 Euro. Seit Anfang der 1970er Jahre wird daher Wasser aus zwei Brunnen verwendet, die vom Main aus versorgt werden (sogenanntes Uferfiltrat). Allerdings muss das Brunnenwasser noch aufbereitet werden, da es zu viel Eisen und Mangan enthält, was zu Verockerungen (Ausfällungen und Anlagerungen von Eisen- und Manganverbindungen durch Oxidation) in den Leitungen und Armaturen des Klärwerks führen würde.

"Weil die Aufbereitungsanlage vor einer Erneuerung steht und die Brunnen saniert werden müssten, haben wir nach Alternativen gesucht", so Ruess. Dabei ist der Eigenbetrieb schnell auf das inzwischen sehr saubere Klarwasser gekommen, das allerdings nicht ohne Desinfektion benutzt werden darf. Auch nach einer Desinfektion hat es keine Trinkwasser-, aber Badewasserqualität.

Zur Desinfektion stehen mehrere Verfahren zur Verfügung. Am bekanntesten dürfte die Chlorierung sein, ebenso eine Behandlung mit Ozon. Die Bestrahlung mit UV-Licht setzt sich in der Abwasseraufbereitung jedoch mehr und mehr durch.

Die neue Desinfektionsanlage im Klärwerk Hanau hat Kosten von rund 20.000 Euro verursacht. Dabei ist die Eigenleistung des Personals nicht berücksichtigt; HIS-Mitarbeiter montierten die kompakte Anlage selbst und verlegten die Zu- und Ablaufleitungen. Die Betriebs- und Wartungskosten sind laut Ruess "überschaubar". Zu den Verschleißteilen gehören die acht UV-Röhren, die im Übrigen von einer Hanauer Firma produziert werden.

"Setzt man alles in Relation zu den Kosten für Trinkwasser oder aufbereitetes Brunnenwasser, ist die Wiederverwendung von gereinigtem Abwasser nicht nur in ökologischer, sondern auch in ökonomischer Hinsicht von Vorteil", fasst Stadtrat Morlock zusammen. Allein durch die Einsparung der gesetzlichen Abwasserabgabe (rund 3 Cent pro Kubikmeter) für die wiederverwendete Wassermenge lassen sich die Betriebskosten gut refinanzieren.

Wenn sich das Verfahren auf Dauer bewährt – was durch die Analysen der regelmäßig gezogenen Proben belegt werden soll – kann die vorhandene Brunnenwasseraufbereitung komplett stillgelegt und zurückgebaut werden. Ruess geht davon aus, dass die UV-Anlage eine Lebensdauer von 10 bis 15 Jahren haben wird und danach teilweise erneuert werden muss.

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