Grünflächenpflege, Boden- und Landschaftsschutz
Berlin - 26.03.2020

Krüger: Milde Winter wirken sich negativ auf Fledermäuse aus

Jetzt sieht man sie wieder häufiger über den Abendhimmel flattern: Fledermäuse suchen in der Dämmerung nach Nahrung und einen Unterschlupf.

Viele Tiere waren auch schon im Winter unterwegs. „Es gibt bereits erste Studien, die zeigen, dass Fledermäuse wegen steigender Temperaturen oft keine durchgehende Winterruhe mehr haben“, so NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger. „Sie wachen immer wieder auf, müssen dann nach Nahrung suchen, finden aber kaum etwas – ein enormer Stress, der die Überlebenschancen schmälert.“

Fledermäuse überwintern meist in Höhlen, Stollen, Dachstühlen, alten Kellern oder Bunkeranlagen. Sie sind Insektenfresser und jagen Mücken, Schnaken, Nachtfalter und Käfer im Flug. Das kann man derzeit am Dämmerungshimmel eines lauen Abends gut beobachten. Aufgrund des Insektensterbens ist wird jedoch auch dieses Schauspiel immer seltener.

„Von den 25 heimischen Fledermausarten sind 16 in einem ungünstigen oder sogar schlechten Erhaltungszustand“, so NABU-Artenschutzexpertin Birte Brechlin. „Die Ursachen sind unter anderem die Intensivierung der Landwirtschaft, der massive Einsatz von Pestiziden, der zunehmende Verlust von Strukturvielfalt in der Landschaft, von alten, naturnahen Wäldern sowie die Zerstörung von Quartieren durch Fassadensanierungen.“

Fledermäusen helfen kann man, indem man seinen Garten fledermausfreundlich gestaltet. Dazu gehört, alte Bäume stehen zu lassen, abend- und nachtblühende Stauden anzupflanzen und Fledermauskästen aufzuhängen. Diese kann man selbst bauen oder im Fachhandel, etwa im NABU-Shop (www.NABU-shop.de), kaufen. Weitere Tipps unter www.NABU.de/fledermausgarten.

Leider halten sich Vorurteile gegenüber Fledermäusen immer noch hartnäckig, wie etwa der Vampirmythos aus Gruselfilmen. Aktuell werden Fledermäuse in Verbindung zu dem neuartigen Coronavirus gebracht, der die Erkrankung Covid-19 auslösen kann. Angst davor, dass die Tiere Menschen anstecken könnten, braucht jedoch niemand zu haben. Die in Deutschland heimischen Fledermausarten sind keine Coronaviren-Träger. Krüger: „Fledermäuse gefährden uns nicht – sie brauchen unseren Schutz.“

Hintergrund

Fledermäuse sind die zweitgrößte Artengruppe innerhalb der Klasse der Säugetiere. Derzeit sind weltweit mehr als 1.400 Arten bekannt. Wenige Arten tragen Stämme von Coronaviren und gelten daher als Reservoir, nicht jedoch als direkter Überträger. Eine direkte Übertragung auf den Menschen konnte bislang nicht festgestellt werden. Bei unseren 25 heimischen Fledermausarten ist bisher kein derartiger Virenstamm gefunden worden. Sie sind also weder Träger noch Reservoir des Coronavirus.

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NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V.
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