Wirtschafts- und Personalnachrichten
Emden - 06.12.2019
Stadtwerke Emden GmbH

Mehr WIR anstatt ICH als Schlüssel für erfolgreiche Digitalisierung

Emden an der Nordsee hat bereits vielen größeren Städten vorgemacht, wie Smart City geht. Zum zweiten Mal in Folge sind die Ostfriesen gerade wieder unter den TOP 20 beim Städte-Ranking der Unternehmensberatung Haselhorst Asscociate gelandet.

Um sicher zu stellen, dass Emden auch morgen gut aufgestellt ist, vollzieht sich in der 51.000 Einwohner großen Seehafen-Stadt gerade ein spürbarer Kulturwandel. Manfred Ackermann, Geschäftsführer der Stadtwerke Emden und Anschieber der Digitalisierungs-Roadmap, setzt unter dem Motto „WerkStadt Emden“ auf ein Führungskräfteprogramm, für das sich auch andere Branchen interessieren. Es geht es um die Effizienz-Formel: Ökonomische Effizienz wird nur möglich sein, wenn verkrustete Hierarchien im Unternehmen aufgegeben werden. In der Arbeitswelt 4.0 liegt der Schlüssel zum Erfolg im WIR und weniger im ICH. Es gilt, ein vernetztes Management zu entwickeln, in dem sich jeder auf gleicher Augenhöhe mit Kreativität und Verantwortung einbringt.

Die Stadt hinterm Deich beeindruckt die Branche seit Jahren mit ihrer 2016 gestarteten Road Map, einem ambitionierten Plan, auf dessen Grundlage alle Lebensbereiche der Stadt ans digitale Netz gebracht werden sollen. Der Energiekonzern Siemens war so begeistert davon, dass er 2017 der Stadt und den Stadtwerken vertraglich in einem Memorandum of Understanding seine Zusammenarbeit zusicherte. Spätestens seit der VW-Entscheidung vergangenes Jahr, demnächst nur noch Stromer im Emder Werk vom Band laufen zu lassen, hat es sich als eine weise Entscheidung erwiesen, frühzeitig die Weichen neu zu stellen. Modellregion Elektromobilität, Ausbau des Glasfasernetzes, digitalisierte Gebäudebewirtschaftung, Wasserstofftechnologie, förderbare Green City Lösungen und die enge Zusammenarbeit mit der Wohnungswirtschaft – nur einige Beispiele, die zeigen, was die Stadtwerke bereits auf den Weg gebracht haben. Für Stadtwerke-Chef Manfred Ackermann sind die Erfolge kein Grund, sich auf den Lorbeeren auszuruhen. „Die digitale Transformation kann nur gelingen, wenn gleichzeitig im Unternehmen ein Kulturwandel erfolgt. Allen Verantwortlichen im Unternehmen muss klar sein, wo wir heute stehen, was unsere Kunden möchten und was sich ändern muss. Es gilt aber auch, alle Mitarbeiter mitzunehmen und diese für Veränderungen zu begeistern. Ein Weiter-so-wie-immer wird es nicht geben. Know how in Sachen Strom und Wasser reicht längst nicht mehr aus in unserem Geschäft. Heute geht es darum, auch zu wissen, wie Batterien funktionieren.“

Ackermann skizzierte ein Konzept unter dem Motto „WerkStadt-Mission“ und holte sich als Moderator die auf Energiethemen spezialisierte Berliner Managementberatung WM-Consult GmbH mit an Bord. Der Plan: Alle Führungskräfte erhalten in jeweils zweitägigen Workshops das Rüstzeug, um sich zu Unternehmern im Unternehmen zu entwickeln. Überholte Hierarchien fallen weg, jeder Einzelne übernimmt Verantwortung dafür, dass das Geschäft von morgen läuft.

Ausgangsbasis war für Ackermann die Erfahrung, dass sich in den letzten Jahren atmosphärisch einiges im Unternehmen geändert habe. „Als es 2016 los ging mit der Digitalisierung, war eine hohe Identifikation mit den Stadtwerken und der Stadt zu spüren. Es gab eine hohe Fachkompetenz und operative Stärke. Die positive Stimmung schlug dann plötzlich um, es machte sich ein Gefühl der Stagnation breit, die Zielsetzung war bei vielen Mitarbeitern offenbar plötzlich abhanden gekommen“. Das ändere sich jetzt wieder schlagartig zum Guten. „Seit wir mit unseren internen Führungskräfteworkshops gestartet sind, herrscht wieder Aufbruchstimmung. Es ist deutlich spürbar, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter neue Impulse aufnehmen und motivierter sind.“

Was das Emder Modell von anderen Prozessen unterscheidet, ist, dass nicht nur die Ist-Situation des Unternehmens untersucht wird. Gemeinsam mit Management-Coach Jörg Wirtgen hat der Stadtwerke-Geschäftsführer den Kulturwandel-Prozess in drei Komplexe untergliedert:

  1. Kultur erleben – Emden, die Emder und Emderinnnen und Smart City: Was ist ihnen wichtig?
  2. Eine digitale Kultur gestalten – die Rolle der Stadtwerke Emden
  3. Der Weg zur kulturellen Effizienz der Stadtwerke: Wie schaffen wir es, Neues zu kreieren und wirtschaftlich erfolgreich zu sein?

Dabei geht es also zunächst um die Frage, wie die Emder Bevölkerung leben will, was den Menschen wichtig ist. Befragungen haben gezeigt, dass die bisher erfolgten Projekte von Smart City von den Bürgern als Fortschritte wahr genommen werden. Deutlich wurde aber auch, dass den Emdern bei allen Veränderungen symbolisch „die heile Welt“ und der „Heimathafen“ wichtig bleiben. Ackermann: „Smart-City kann also nur step by step den Menschen schmackhaft gemacht werden. Wir als Stadtwerke mit der Tochter Emden Digital verstehen uns hier als heimatverbundener Voran-Gänger. Ein aktuelles Beispiel: Die Stadtwerke haben mit dem Relaunch ihrer KEPTN-App als Stadtmarketing-Instrument einen Riesenerfolg gelandet. Emden Digital hat die in Emden ansässige Werbeagentur von der See beauftragt, eine bisher noch nicht dagewesene webbasierte App zu entwickeln, die man direkt auf dem Smartphone oder Computer aufrufen kann. Diese App enthält nicht nur aktuelle Städte-Informationen wie zum Wetter und Verkehrsgeschehen in Echt-Zeit. Der KEPTN macht zur Zeit Furore als kleiner David, der gegen Goliath antritt: Über die App kann man Gutscheine kaufen, die in Emder Geschäften und Restaurants eingelöst werden können. „So geht das Geld nicht an Amazon oder andere Online-Riesen, sondern bleibt in der Stadt und stärkt die heimische Wirtschaft“, so Ackermann. Die KEPTN-App soll nur der Auftakt sein für viele andere neue Geschäftsmodelle, die im Rahmen des Kulturwandels in Emden entwickelt werden sollen.

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