Pressemitteilung
Schwerin - 26.06.2014

1. Niedermoorbiomasseheizkraftwerk geht ans Netz

„Mecklenburg-Vorpommern setzt mit dem ersten Niedermoorbiomasseheizkraftwerk Deutschlands absolute Maßstäbe. Es ist ein Leuchtturmprojekt mit zukunftsweisendem Charakter, da die energetische Nutzung von Biomasse aus Niedermooren bisher kaum Anwendung im Energiemarkt gefunden hat“, erklärte Dr. Till Backhaus, Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz, heute in Malchin, Landkreis Mecklenburgische Seenplatte, anlässlich der Inbetriebnahme durch die Firma Agrotherm GmbH.

Das Malchiner Biomasseheizwerk wird Landschaftspflegeheu in Energie für die regionale Wärmeversorgung umwandeln. In Kooperation mit lokalen Landwirtschaftsbetrieben wird somit ein Beitrag zum Erhalt der Kulturlandschaft am Kummerower See geleistet. „Die Nutzung von Biomasse von Niedermoorflächen des Naturparks Peenetal ermöglicht regionale Wertschöpfungskreisläufe und eine nachhaltige Energiebereitstellung. Die Nutzung von Landschaftspflegebiomasse, die vorher einfach entsorgt wurde, entzieht der Lebens- und Futtermittelproduktion keine Agrarflächen und stellt somit keine Flächenkonkurrenz dar. Gleichzeitig wird auch die Verwendung von fossilen Energieträgern verringert und dadurch die Umwelt geschützt. Diese vielen Mehrfachnutzen können nicht viele Kraftwerke bieten“, betont der Minister.

Für den Erhalt der Landschaft und um einer Zunahme von Busch und Strauch entgegenzuwirken, ist eine regelmäßige Mahd am Grenzstandort Niedermoor gewollt. So muss regelmäßig Biomasse entnommen werden, die jedoch nicht als Futter verwertet werden kann. Und je schlechter der Futterwert, desto besser sind die Brenneigenschaften. Deshalb bietet die Verbrennung von Niedermoorbiomasse mit einer positiven CO2-Bilanz eine wertvolle Alternative. Gleichzeitig bleibt der Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen erhalten. „Damit arbeitet das Niedermoor-Biomasse-Heizwerk nach dem vereinten Prinzip der Landnutzung-Existenzsicherung-und Naturschutz. Das ist in dieser Form überaus vorbildlich und innovativ“, hob Dr. Backhaus hervor.

Das Nahwärmenetz der Stadt Malchin bietet optimale Voraussetzungen zur Nutzung von Biomasse. Durch die Installation des Biomasseheizkessels im bestehenden Erdgas-Heizwerk kann das energetische Potential der halmgutartigen Biomasse - vorwiegend Seggen, Binsen und Rohrglanzgras – genutzt werden. Der kooperierende Landwirtschaftsbetrieb kann auf 400 ha rund 800 bis 1200 t Brennstoff bereitstellen. „2,9 bis 3,8 Gigawattstunden beziehungsweise 290.000 bis 380.000 Liter Heizöl können jedes Jahr eingespart werden. Das sind bei einem durchschnittlichen Verbrauch in Deutschland von 2.000 l im Jahr rund 190 Einfamilienhäuser. Ich hoffe, dass dieses System viele Nachahmer finden wird“, sagte der Minister.

Die Landesregierund hat dieses Projekt, das 2011/2012 den Zukunftspreis der Akademie für Nachhaltige Entwicklung erhalten hat, wurde mit 610.000 Euro gefördert.

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Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern
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