Wirtschafts- und Personalnachrichten
Berlin - 19.06.2017
Europäisches Jugendparlament in Deutschland e. V.

Europäisches Jugendparlament schließt Sitzung in Wiesbaden

Eine Woche des politischen Austauschs und der internationalen Begegnung geht zu Ende: Mit der Vollversammlung im Hessischen Landtag hat das Europäische Jugendparlament seine Nationale Auswahlsitzung in Wiesbaden geschlossen.

Es ist Freitagnachmittag; eine lange Sitzung im Hessischen Landtaggeht zu Ende. 160 erschöpfte, aber glückliche Gesichter; auf den Tischen liegen Dokumente, darauf vereinzelt gelbe oderorangefarbene Post-Its mit hastig gekrakelten Notizen. Vieles erinnert an eine ganz normale Plenarsitzung, aber etwas ist anders. Denn heute stehen keine Politprofis am Rednerpult, sondern Jugendliche wie Paula Swoboda. Eine Woche lang hat die 16-jährige Schülerin vom Hainberg-Gymnasium in Göttingen mit den anderen debattiert und Ideen ausgetauscht. Mit der Parlamentarischen Vollversammlung fand nun das Bundesfinale des Jugendwettbewerbs des Europäischen Jugendparlaments seinen Abschluss. Die Teilnehmenden diskutierten gemeinsam mit Gastdelegationen aus Polen, Finnland und den Niederlanden ihre Resolutionsentwürfe und stimmten am Ende darüber ab.

Paulas Ausschuss für Binnenmarkt und Verbraucherschutz hat sich mit Datenschutz beschäftigt: „Ich hatte selbst lang keinen Facebook-Account, weil ich mir Sorgen um meine Daten gemacht habe. Es ist wichtig, da klare Regeln zu entwickeln.‘‘ Ein bisschen müde ist sie von der anstrengenden Woche, aber auch aufgeregt: Ihr wurde die Aufgabe zugeteilt, die Resolution in einer kurzen Verteidigungsrede vorzustellen. Als Paula an das Pult tritt, verfliegt ihr Lampenfieberschnell. „Wenn der Digitale Binnenmarkt Erfolg haben soll, müssen die Menschen auf die Sicherheit der Online-Datenspeicher vertrauen können‘‘, argumentiert sie. In der Debatte muss ihr Ausschuss aber auch Kritik annehmen. Wieso sollten etwa private Unternehmen ihre Datenschutz-Regularien transparenter machen, wenn es gar nicht in ihrem Interesse liegt? Am Ende erhält die Resolution in der Abstimmung dennoch 69% der Delegiertenstimmen. Um 14.15 Uhrerklärt Sitzungspräsident Maciek Krynski, 20-jähriger Student aus Polen, die Sitzung dann für offiziell geschlossen. „Das Beste am Jugendparlament ist, dass man in so kurzer Zeit so viele neue Leutekennenlernt -- aus Deutschland und ganz Europa!‘‘, sagt Paula.

Beobachtet wurden die Jugendlichen von einer fünfköpfigen internationalen Jury. „Wichtiger als perfekte Rhetorik oder Fachwissen sind bei unserem Wettbewerb Teamarbeit, Kompromissbereitschaft und Reflexionsfähigkeit‘‘, erklärt Projektleiter Christian Ulmer. Der 21-jährige Student aus Berlin hat mit seinem Team über ein Jahr ehrenamtlich an den Vorbereitungen für die Sitzung gearbeitet.

Für Paula und ihre sechs Mitschülerinnen und Mitschüler aus Göttingen geht es nun zu einem neuen Ziel: Als nächstes nach Estland --die Belohnung für ihren Einsatz. Den Sieg des Wettbewerbs tragen jeweils zum ersten Mal die Delegationen vom Luisengymnasium München und vom Stadtgymnasium Bochum davon. Sie werden Deutschland unter 40 Ländern auf den Internationalen Sitzungen des European Youth Parliament in Tiflis (Georgien) und Vilnius(Litauen) vertreten. Und auch eine andere Reise geht zu ende: „Ich fahre mit einem lachenden und einem weinenden Auge nach Hause‘‘, sagt auch Christian Ulmer. „Es war viel Arbeit und hat wahnsinnigen Spaß gemacht. Zum Glück ist nach der Sitzung auch vor der Sitzung.‘‘ Das Bewerbungsfenster für den Wettbewerb im nächsten Jahr ist schon seit Mai geöffnet.

Über das Europäische Jugendparlament

Das Europäische Jugendparlament in Deutschland e.V. (EJP) gehört zum Dachverband des European Youth Parliament (EYP). Das EYP setzt sich zum Ziel, den interkulturellen Austauschjunger Menschen in Deutschland und Europa zu fördern und als Plattform für politische Debatten zu fungieren. Insgesamt ist das EYP in 41 Ländern Europas vertreten. Der überparteiliche, gemeinnützige und unabhängige Verein wird ausschließlich ehrenamtlich von Schülerinnen, Schülern und Studierenden getragen.

Der Nationale Auswahlprozess

In einem jährlich stattfindenden Wettbewerb, für den sich Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren deutschlandweit bewerben dürfen, wählt das EJP seit 1990 durch einen mehrstufigen Auswahlprozess je zwei Schuldelegationen und einzelne Jugendliche aus, welche Deutschland auf internationaler Ebene vertreten. In den letzten Jahren haben sich dabei regelmäßig über 400Schülerinnen und Schüler von rund 70 Schulen mithilfe einer Bewerbungsresolution für den Vorentscheid beworben. Die Regionalen Auswahlsitzungen stellen dabei dann den zweiten Schrittdieses Prozesses dar. An den insgesamt drei Veranstaltungen -- in Herzogenaurach, Frankfurt und Nauen -- beteiligen sich jeweils elf Schuldelegationen entsprechend aus Nord-, Süd- und Mitteldeutschland und 33 Einzelteilnehmer, die sich zuvor mit einer Resolution bei einer Vorauswahl erfolgreich beworben haben. In den Regionen haben sich dann insgesamt neun Schuldelegationen für die 27. Nationale Auswahlsitzung qualifiziert. Auf dieser Sitzung wählt eineJ ury wiederum zwei Delegationen aus, die Deutschland auf den kommenden Internationalen Sitzungen in Tiflis (Georgien) im Herbst 2017 und Vilnius (Litauen) im Frühjahr 2018 vertreten werden. Der Auswahlprozess wird u.a. gefördert durch die ECO Schulte GmbH & Co. KG und die Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland.

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