Wasser- und Abwasserwirtschaft
Geldern - 13.03.2017
VSR-Gewässerschutz e.V.

Messfahrt des VSR-Gewässerschutz zeigt, dass die bisherige Düngung der Felder zu einer zu hohen Nitratbelastung der Ruhr führt

Der VSR-Gewässerschutz führte im letzten Dezember eine Messfahrt an der Ruhr von Meschede im nördlichen Sauerland bis zur Ruhrmündung in Duisburg durch. Dabei stellte der Verein gegenüber der Messfahrt 2010 keine Verringerung der Nitratbelastung fest.

Da das zusickernde Grundwasser zum größten Nitrateintrag in der Ruhr beiträgt, zeigt die Messfahrt wie wichtig eine konsequente Verringerung der Nitratbelastung im Grundwasser ist. „Dafür müssen die Landwirte ihre Stickstoffüberschüsse dringend senken. Doch die Politiker, die aktuell das Düngegesetz verabschiedet haben, wissen noch gar nicht wie die erlaubten Überschüsse von den Landwirten berechnet werden sollen. Denn für die neu kreierte „Stoffstrombilanz“ ist bisher nur klar erkennbar welche viehhaltenden Betriebe diese durchführen müssen, nicht aber ob alle Stoffflüsse betrachtet werden.“ so Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende im VSR-Gewässerschutz.

Schon in Meschede stellten die Spezialisten vom VSR-Gewässerschutz mit 13,4 Milligramm pro Liter (mg/l) Nitrat eine erhöhte Belastung im Ruhrwasser fest. Bis Neheim stiegen die Nitratwerte sogar bis auf 15,4 mg/l an. Um das Ziel der Wasserrahmenrichtlinie eines guten Zustandes zu erreichen, hätte nach den Vorgaben der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) der Wert von 11 mg/l nicht überschritten werden dürfen. Erst durch den Zufluss der Möhne, mit einer Nitratkonzentration von 6,3 mg/l sank die Belastung in der Ruhr unter den geforderten Grenzwert. In Wickede und Fröndenberg fanden die Umweltschützer dann nur jeweils 9,8 mg/l. Anschließend stieg die Belastung dann wieder an. Im Schwerter Ortsteil Wandhofen befanden sich dann schon wieder 12,1 mg/l Nitrat im Ruhrwasser. Durch den Zufluss der beiden Nebenflüsse Lenne mit 12,8 mg/l und Volme mit 17,3 mg/l kam es dann zu einem weiteren Anstieg. In Wetter lag die Nitratkonzentration dann schon bei 13,3 mg/l. Bis zum Ruhrwehr in Duisburg wenige Kilometer oberhalb der Mündung in den Rhein änderte sich die Nitratbelastung kaum.

Für die Trinkwasserversorgung stellen die Nitratkonzentrationen in der Ruhr kein Problem dar - der Trinkwassergrenzwert von 50 mg/l wird weit unterschritten. „Doch die Ruhr trägt auch als Nebenfluss zur Nitratbelastung des Rheins bei, der an der Grenze zu Niederlande als auch an der Mündung in die Nordsee eine zu hohe Nitratfracht aufweist und damit die Entstehung von Schaum und Algenblüten an den Stränden der Nordsee fördert.“ so Susanne Bareiß-Gülzow.

Der VSR-Gewässerschutz kritisiert, dass das Düngegesetz nun ohne die Hoftorbilanz beschlossen wurde. Diese spezielle Bilanz wird von vielen Fachleuten als sehr wichtig angesehen, weil sie alle Stickstoffe, die in den landwirtschaftlichen Betrieb hinein kommen und die ihn verlassen sowie deren umweltrelevanten Auswirkungen vollständig erfassen. Besonders bedeutend ist auch, dass die Stickstoffverluste im Stall sowie durch Lagerung und Ausbringung vorher nicht abgezogen werden. Doch die Agrarlobby hatte wieder einmal ihren Einfluss auf die Politiker genutzt. So fand das Düngegesetz mit einer Hoftorbilanz keine Mehrheit. Durch das neue Berechnungsverfahren „Stoffstrombilanz“ ist zu befürchten, dass weiterhin die gasförmigen Stickstoffverluste nicht mit betrachtet werden. Das würde nach aktueller Vorschrift bedeuten, dass ein Landwirt von 100 kg Stickstoff in der Gülle nur 60-70 kg in der Nährstoffbilanzierung mit aufnehmen muss. Die 30 bis 40 kg sogenannte Verluste, die die Umwelt trotzdem belasten, würden dann in der Berechnung nicht auftauchen. „Die positive Entwicklung in der Landwirtschaft die Stickstoffausgasung in die Luft durch eine verbesserte Technik zu verringern wird damit zunichte gemacht, wenn die zurückgehaltenen Nährstoffe dann ganz unbemerkt statt dessen im Grundwasser landen. So ist der tatsächliche Stickstoffüberschuss, der unser Grundwasser bedroht, wieder höher als der auf dem Papier. Das Ziel durch eine neue Nährstoffbilanzierung nun endlich alle umweltrelevanten Auswirkungen zu erfassen und damit nun konsequent von den Landwirten eine Verringerung der Nitratauswaschung zu fordern, wäre damit wieder einmal gescheitert.“ so Susanne Bareiß-Gülzow. Der VSR-Gewässerschutz fordert die Politiker auf, dass bei der Ausgestaltung der Stoffstrombilanz nicht die Agrarlobby das Sagen hat, sondern die Fachleute, die statt der rein betrieblichen eine umfassende Betrachtungsweise bei ihren Vorschlägen zu Grunde legen.

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