Grünflächenpflege, Boden- und Landschaftsschutz
Berlin - 10.06.2021
Die Autobahn GmbH des Bundes

 Vor allem die Autobahnbrücken im Sieger- und Sauerland sind beliebte Nistplätze für Wanderfalken. Nachwuchs gibt es reichlich.

Die erste Reaktion ist natürlich „Wie süüüüß!“. Keiner kann sich dem Charme der putzigen Federknäuel entziehen, wenn er einen Blick in den Horst eines Wanderfalken werfen darf.

Die zweite Reaktion in den Büros der Autobahn Westfalen ist ein wenig Stolz, dass es immer wieder Nachwuchs bei den Vögeln gibt. Großgezogen zum Beispiel an den hohen Talbrücken der A45 – und das, obwohl an einigen dieser Brücken inzwischen gebaut wird.

Bei Planung berücksichtigen

In den 1960er Jahren waren es nicht nur die starke Pestizidbelastung sondern auch aktive Bejagung sowie illegale Verfolgung zum Beispiel durch Taubenbesitzer, die die Bestände der Wanderfalken haben einbrechen lassen. Nach Angaben des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) war der Wanderfalke im Jahre 1970 als Brutvogel in Nordrhein-Westfalen praktisch ausgestorben. Das hat sich geändert, die Bestände haben sich erholt. Dennoch gehört der Wanderfalke wie alle heimischen Greifvögel zu den besonders geschützten Vogelarten. Ein Umstand, der bei Planung, Bau und Unterhaltung von Autobahnen berücksichtig werden muss. „Ohne den Blick auf die Natur können wir heute weder einen Brückenneubau planen noch den Ausbau zum Beispiel der A45 auf sechs Spuren“, sagt David Lemberg, der als Landespfleger in der Außenstelle Netphen der Autobahn-Niederlassung Westfalen den geschulten Blick auf die Natur wirft, Ausgleichsmaßnahmen plant und die Umsetzung begleitet. Dabei geraten neben den Greifvögeln auch Fledermäuse, Kleinsäuger wie die Haselmaus oder Amphibien in den Fokus. „Wenn wir eine Art in ihrem Lebensraum beeinträchtigen, müssen wir vorab einen Ausgleich schaffen, damit die Natur weiter funktionieren kann“, so Lemberg.

Bei den Wanderfalken bedeutete das zunächst, dass man Nistmöglichkeiten abseits der großen Brückenbaustellen schaffen wollte. Also wurden Nisthilfen zum Beispiel in Steinbrüchen installiert oder an Brücken, an denen absehbar in den kommenden Jahren nicht gebaut wird. Dabei haben in den Anfängen Straßen.NRW und nun die Autobahn GmbH des Bundes immer eng mit der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz (AGW) des NABU zusammengearbeitet. „Diese Experten mit im Boot zu haben, hat uns bei unseren Planungen sehr geholfen“, sagt David Lemberg. Und nicht nur der konkrete Rat hilft bei der Planung, der NABU unterstützt die Autobahn Westfalen auch bei hausinternen Fortbildungen, an denen Landespflegerinnen und Landespfleger oder aber auch Brückenprüfer, Bauüberwacher und auch die Mitarbeiter der Autobahnmeistereien teilnehmen.

Baustelle stört nicht

Für die Autobahn-Planer wie für die Naturschützer überraschend haben sich die Falken durch die Bautätigkeit an inzwischen sieben A45-Brücken kaum stören lassen. „Die Tiere kommen gut mit dem Stress der Arbeiten zurecht“, zieht der ehrenamtliche Mitarbeiter der AG Wanderfalkenschutz NRW, Alfred Raab, in einem aktuellen Bericht eine positive Bilanz der vergangenen Jahre. An einem Bauwerk, das die Falken bislang noch nicht für sich entdeckt hatten, wollten sich die Vögel trotz reger Bautätigkeit neu ansiedeln. „Unsere Mitarbeiter und auch Vertretern des NABU beobachteten „Probesitzen“ in einer Betonschale am Pfeilerkopf“, erinnert sich David Lemberg. Eilig wurde in der Nähe eine Nisthilfe installiert, da das Pärchen am Pfeilerkopf nicht bleiben konnte. „Doch dieses Angebot haben die Tiere nicht angenommen“, sagt der Landschaftsarchitekt. Das Pärchen suchte sich einen anderen Brutplatz.

Bis zu vier Junge pro Jahr

Wie beliebt die aussichtsreichen Plätze auf den Brückenpfeilern sind, zeigt der Bruterfolg: An einer der zahlreichen Nisthilfen, die die Autobahn Westfalen gemeinsam mit dem NABU angebracht hat, sind nun schon im vierten Jahr in Folge (vier) viele Jungfalken aufgewachsen. Bei einer Begehung durch den Brückenhohlkasten konnte eine Autobahn-Mitarbeiterin die Falken-Jungen des Jahrgangs 2021 fotografieren. In schwindelnder Höhe schauten drei der vier puscheligen Jungen frech in die Kamera, während die Eltern für Nahrungsnachschub sorgten. Zurück im Büro gab es natürlich das obligatorische „Wie süüüß“ beim Anblick der Bilder. Und David Lemberg liefert den bereits erwähnten Stolz: „Ein immer wieder schönes Bild, das zeigt, dass unsere Bemühungen belohnt werden.“

Hintergrund

· Der Wanderfalke wird zwischen 40 und 50 cm groß, die etwas größeren Weibchen wiegen bis zu 1200 Gramm.

· Der Wanderfalke jagt im Flug und erreicht dabei bis zu 320 km/h. Damit ist er das schnellste Tier dieser Erde.

· Seine Beute sind ausschließlich Vögel, wie Tauben, Stare und Drosseln, sowie alle möglichen Sperlingsvögel bis zur Größe von Rabenvögeln.

· Während der Brutzeit gilt für die Brücken mit Besatz, dass Begehungen z.B. im Rahmen von Bauwerksprüfungen zwischen Ende Januar bis Ende Juni möglichst vermieden werden. Im Einzelfall werden Abstimmungen mit der AGW und der zuständigen Unteren Naturschutzbehörde getroffen.

· Die Autobahn Westfalen bietet für Landespfleger in unterschiedlichen Bereichen Stellen an. Informieren Sie sich unter Stellenangebote | Die Autobahn GmbH des Bundes.

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