Kreislaufwirtschaft
Frankfurt - 08.04.2021
FES Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH

FES und Frankfurt UAS ziehen Bilanz des Projekts „Silent Green“

Silent Green hat die Erwartungen erfüllt. Zu diesem Fazit kommen gemeinsam die Projektpartner FES Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH und die Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) nach Abschluss eines zweijährigen, vom Land Hessen geförderten Modellversuchs.

Das dabei getestete erdgas-elektrische Pilotfahrzeug war eigens für die tägliche Abfallentsorgung in der Groß-stadt – das heißt: einige längere Fahrten und Stop-and-go im Sammelgebiet –gebaut worden.

In dem Projekt wurden umfangreiche Vergleichsmessungen mit modernster Ver-brauchs- und Abgasmesstechnik des Hochschullabors durchgeführt: Der Prototyp verbrauchte in der Testphase auf ca. 6000 Tourenkilometern etwa 30 Prozent weni-ger Energie, emittierte 30 Prozent weniger treibhausschädliches Kohlendioxid (CO2) und 25 Prozent weniger Stickoxide als das dieselbetriebene Vergleichsfahrzeug der Abgasklasse Euro VI. Zudem war er 50 Prozent leiser. Als Nachteil wurde lediglich der bei Erdgasfahrzeugen typische Methanausstoß registriert, der pro Tag etwa 100 Gramm betrug. Die Integration des Projektfahrzeugs in den laufenden Betrieb wurde zudem durch diverse technische – für einen Prototypen aber nicht ungewöhnliche – Ausfälle erschwert.

Frankfurts Umweltdezernentin und FES-Aufsichtsratsvorsitzende Rosemarie Heilig: „Das sind grundsätzlich gute Ergebnisse, die zeigen, was möglich ist, wenn Herstel-ler und Anwender gemeinsam mit der Wissenschaft bereit sind, sich auf Neues ein-zulassen. Ich danke den Fachkräften bei FES und den Wissenschaftlern der Frankfurt UAS für diese Arbeit, die einzahlt auf das große gemeinsame Konto von global denken – lokal handeln.“

Trotz eindrucksvoller Messergebnisse wird dieser Hybridansatz mit einer Kombinati-on aus Gas- und elektrischem Antrieb bei FES keine Zukunft haben. FES-Geschäftsführer Dirk Remmert: „Der Hersteller hat uns signalisiert, dass an dem Konzept nicht weiter gearbeitet wird. FES hat sich zudem in der Zwischenzeit für den Ausbau der Elektromobilität und den Einsatz von Biodiesel in Bestandsfahrzeugen entschieden. Mittelfristig orientieren wir uns bei den schweren Nutzfahrzeugen in Richtung Brennstoffzelle. Den dafür benötigten Wasserstoff werden wir mit unserem Partner Mainova weitgehend CO2-neutral durch thermische Verwertung von Haus-müll im Müllheizkraftwerk produzieren. Auf dem Weg zur Verkehrswende war Silent Green ein wichtiger Baustein. Wir haben in diesem Projekt sehr viel gelernt.“

Holger Marschner, Professor für Kraftfahrzeugtechnik an der Frankfurt UAS, ordnete die Messergebnisse wissenschaftlich ein: „Im Vergleich zur täglichen CO2-Ersparnis von 40 bis 50 Kilogramm ist der höhere Ausstoß von Methan selbst unter Berück-sichtigung seiner schädlicheren Wirkung auf die Ozonschicht vernachlässigbar.“ So gesehen sei noch nicht ausgemacht, ob Hybridkonzepte sich neben den aufkom-menden batterieelektrischen und wasserstoffbetriebenen Antriebsformen nicht viel-leicht auch behaupten können.

Ein wichtiges Ergebnis der Messungen ist auch die erstmalige Dokumentation von Emissionen und Verbräuchen des Dieselfahrzeugs Euro VI. Fuhrparks deutscher Entsorger basieren im Wesentlichen auf diesem Aggregat, das nun erwiesenerma-ßen sämtliche gesetzlichen Grenzwerte sommers wie winters einhält. „Damit wurde eine wertvolle Datenbasis erzeugt, die zum Vergleich aller künftigen Antriebe heran-gezogen werden kann“, so Marschner. „Selbst wenn in Kürze batterieelektrische oder wasserstoffbetriebene Fahrzeuge serienreif sind, muss man bedenken, dass diese nur dann wirklich emissionsfrei sind, wenn der Strom oder der Wasserstoff auch regenerativ erzeugt werden. Vor dem Hintergrund des aktuellen deutschen Strom-Mix ist die dreißigprozentige CO2-Ersparnis des Hybridfahrzeugs schon aus-gezeichnet.“

Das Projekt Silent Green war vom Land Hessen mit 421.900 Euro gefördert worden, darunter 144.000 Euro für das Fahrzeug (HA-Projekt-Nr.: 523/17-05). FES erwartet in diesem Sommer die Lieferung eines nachträglich elektrifizierten Müllfahrzeugs. Zudem steht eine 2,5-Millionen-Euro-Förderung des Bundesministeriums für Verkehr und Infrastruktur bereit. Nach diversen Tests im vergangenen Jahr wird FES in ab-sehbarer Zeit eine Bestellung über den Kauf neuer E-Müllfahrzeuge beziehungswei-se die Umrüstung von Bestandsfahrzeugen in die Wege leiten.

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