Energiewende und Energieversorgung
Freiburg i. Br. - 03.12.2019

Auch wer kein eigenes Dach besitzt, kann künftig an der Energiewende teilhaben und seinen eigenen Strom produzieren

Die neuen „Mini-Solaranlagen“ machen es möglich. badenova testet aktuell im Rahmen eines Innovationsfondsprojekts die Anlagen mit energieinteressierten Kunden, so genannten „Energiepionieren“.

Ziel ist es, noch ungelöste Fragestellungen in rechtlicher, technischer, ökonomischer und ökologischer Hinsicht rund um die Balkon-Solaranlagen zu untersuchen.

Das Interesse an den kleinen Solarkraftwerken steigt zusehends. Denn auch mit schmalem Budget lässt sich Ökostrom zum Eigenverbrauch herstellen. Ein bis zwei Solarmodule werden im Garten, auf der Terrasse, dem Balkon, der Fassade oder dem Carport installiert. Der Strom wird in das 230-Volt-Hausstromnetz eingespeist. Die Anlagen besitzen einen Mikro-Wechselrichter, der den erzeugten Solarstrom für die Haushaltsgeräte nutzbar macht. Am badenova Innovationsfonds-Projekt „PV-Anlagen für die Steckdose“ nehmen derzeit sieben „Energiepioniere“ teil. Das sind Privatpersonen aus Freiburg, die zu Hause Ökostrom zum Eigenverbrauch produzieren wollen. Sie bekamen von einem der Elektropartner der badenova, der Firma Ullmann, Anlagen des Herstellers BeON installiert. „Dass das Interesse an den Balkon-Solaranlagen groß ist, freut uns sehr. Es zeigt, dass immer mehr Menschen aktiv an der Energiewende teilhaben möchten. Die neuen Kleinanlagen bieten Möglichkeiten, auch mit kleinem Budget und wenn man nicht Hauseigentümer ist, eine Anlage zu installieren“, so Dr. Thorsten Radensleben, Vorstandsvorsitzender badenova.

Neue Produkte direkt mit den Kunden bis ins Detail zu untersuchen, hat beim regionalen Energie- und Umweltdienstleister bereits eine lange Tradition. Auch eine BHKW- und Pellet-Lösung testete badenova bereits im Praxistest mit energieinteressierten Kunden. Rechtlich sieht die Lage bei den Balkon-Solaranlagen aktuell wie folgt aus: Damit man als Mieter eine Anlage, z. B. am Balkon, anbringen darf, ist die Zustimmung des Vermieters zwingend nötig. Im Rahmen des badenova-Projekts zeigte sich: Nicht alle Eigentümer von Immobilien sind von den Kleinanlagen begeistert und erlauben deren Installation. Die PV-Anlagen sind ferner beim zuständigen Netzbetreiber sowie bei der Bundesnetzagentur (BNetzA) anzumelden. „Bei vielen Netzbetreibern ist das Anmeldeverfahren außerordentlich komplex und für Laien wenig verständlich“, so die Erfahrung von Richard Tuth, bei badenova für den Innovationsfonds verantwortlich. Auch das ist vielfach ein Grund, warum manche Anlagen ohne Anmeldung, quasi als „Guerilla-Anlagen“, ans Netz gehen. Damit im Netzgebiet der badenova diesem Problem Abhilfe geschaffen wird, erarbeitet bnNETZE ein vereinfachtes Anmeldeverfahren. „Unser Ziel ist es, dem Kunden die Anmeldung zu erleichtern und die Komplexität größtmöglich abzubauen“, so Volker Geis, Geschäftsführer der badenova-Tochter bnNETZE. Was ferner bezüglich der Anlagen zu beachten ist: Die konkrete technische Installation sollte aus Sicherheitsgründen ein Fachmann vornehmen. Nur dann ist der Haushalt technisch auf der sicheren Seite. Die Förderung der Stadt Freiburg von 200 EUR enthält auch nur jener, wer die Anlage fachmännisch anschließen lässt und eine entsprechende Rechnung präsentieren kann. Infos unter https://www.freiburg.de/pb/232441.html

Grundsätzlich wird sich die Rechts- und Normierungslage für die Mini-Anlagen sukzessive weiterentwickeln, zumal erste „Mini-Batterien“ hinzukommen, so Peter Majer von badenova. Diese werden ebenfalls per Steckdose an das Haushaltsnetz angeschlossen und sorgen dafür, dass der produzierte Strom noch besser im eigenen Hausnetz verwendet wird.

Für PV-Anlagen in Deutschland werden je Quadratmeter PV-Fläche zwischen 60 und 100 kg CO2-Vermeidung angegeben. Die PV-Module einer typischen Mini-PV-Anlage haben eine Fläche von 1 bis 1,5 m2, so dass mit einer CO2-Vermeidung von rund 100 kg je Anlage und Jahr gerechnet wird. Dem steht zum Vergleich ein CO2-Ausstoß eines PKWs zwischen 120 und 150 g/km gegenüber. Eine Mini-PV-Anlage spart also in etwa das an Emissionen ein, was ein PKW auf ca. 700 km Strecke emittiert. Wenn viele Menschen, vor allem Mieter, diese Kleinanlagen installieren, ergibt sich aus der Vielzahl der möglichen Anlagen ein großes CO2-Vermeidungspotenzial, das mit konventionellen Aufdach-Anlagen noch nicht erschlossen wurde.

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badenova AG & Co. KG