Kommunale Infrastruktur
Dresden - 16.04.2019

Wirtschaftsminister Dulig: „Beeindrucken, wie selbstverständlich und vorurteilsfrei Finnen der neuen Technik gegenüberstehen“

Am zweiten Tag seines Finnland-Aufenthaltes hat Sachsens Wirtschaftsminister und Vize-Ministerpräsident Martin Dulig heute in Helsinki das Stadtviertel Kalasatama besucht. Es gilt als „Versuchslabor“ für die nachhaltige und intelligente Stadt von morgen.

Denn die Stadtverwaltung von Helsinki und Privatinvestoren verfolgen ein ehrgeiziges Ziel: Sie wollen die finnische Hauptstadt zur „funktionierendsten“ Metropole der Welt weiterentwickeln. Bis 2030 sollen rund 30.000 Menschen im „Testviertel“ Kalasatama leben. Sie fungieren nicht nur als Testpersonen, sondern sind von Anfang an Nutznießer innovativer Lösungen für „Smart City“-Lösungen und Projekte des „Internet of Things“ (IoT).

Martin Dulig: „Es ist beeindruckend, wie selbstverständlich und vorurteilsfrei neue Technologien hier ausprobiert werden. Helsinki hat den Wunsch, die SmartCity der Welt zu werden und als erste neue Technologien nicht nur zu erproben, sondern im Alltag zu verwenden. In Kalasatama ist alles digital miteinander vernetzt – rund 4.000 Anwendungen arbeiten im Hintergrund zusammen.“

Die stadteigene Entwicklungsagentur „Forum Virium“ hat Minister Dulig einige ihrer zukunftsweisenden Maßnahmen präsentiert. Zum Beispiel steuert ein vernetztes Haus- und Gebäudesystemtechniksystem Funktionen wie Heizung, Beleuchtung und Sicherheitstechnik flexibel und energieeffizient. Dafür hat die „Smart City Kalasatama“ 2018 den KNX AWARD gewonnen, der auf dem Gebiet der Gebäudeautomation weltweit innovative und technisch fortgeschrittene Projekte auszeichnet.

Unter den Straßen und Häusern von Kalasatama verläuft ein fortschrittliches Müllentsorgungssystem: Mit Druckluft wird der Abfall durch ein Rohrsystem zu einem zentralen Sammelsystem unter einem Einkaufszentrum befördert. Mit Interesse schauten sich vor allem die Vertreter sächsischer Stadtwerke diese Art der Entsorgung an. Autos gibt es in Kalasatama kaum. Ein optimal gestaltetes Verkehrssystem soll ganz Helsinki bis 2025 autofrei machen – für 30 Euro im Monat kann man zwischen ÖPNV, Leihfahrrad und Taxen (Umkreis 5 Kilometer) wechseln. Zudem rollen in Kalasatama erste selbstfahrende Busse – mit etwa 30 km/h im Testbetrieb. Sie erfassen mit Laser- und Radargeräten die Strecke und bewegen sich eigenständig im Verkehr – selbst bei Nebel, Starkregen, Herbstlaub oder im schneereichen und langen Wintern.

Dulig: „Wir haben viele Anregungen und Ideen bereits in Finnland gesammelt. Die mitreisenden Delegationsmitglieder haben neue Partner und Ansprechpartner gefunden. Jetzt sind wir alle gespannt, welche Ideen und Informationen Estland uns zu bieten hat. Wir sind einfach neugierig.“

Am Nachmittag reiste die vom Wirtschaftsministerium und der Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH organisierte Delegation per Fähre weiter nach Estland Bis Donnerstag informieren sich Wirtschaftsminister Dulig und die Mitreisenden in der Hauptstadt Tallinn (420.000 Einwohner) zu Themen wie Digitalisierung der Verwaltung und nachhaltige Verkehrspolitik.

Mit ihrer digitalen ID-Karte (Personalausweis) können die 1,3 Millionen estnischen Bürger beispielsweise schon heute alle Behördengänge online erledigen – nur für Hochzeiten, Scheidungen und zum Hauskauf muss man nach selbst auf’s Amt. Beim Thema ÖPNV wird es vor allem um das erfolgreiche Nahverkehrssystem der Esten gehen, welches für alle Einwohner kostenfrei ist.

Teilen Sie diesen Beitrag


Freistaat Sachsen
direkter Link zum Artikel