Grünflächenpflege, Boden- und Landschaftsschutz
Wiesbaden - 21.04.2017

Landestierschutzbeauftragte zum Internationalen Tag des Versuchstieres 2017 am 24. April „Tierversuche sind nicht der Goldstandard“

Anlässlich des Internationalen Tag des Versuchstieres am 24.04.2017 fordert die Landestierschutzbeauftragte Martin den Bund und die Landesregierung auf, größere Anstrengungen zum Ersatz und der Verringerung von Tierversuchen zu unternehmen.

„Die Tierversuchszahlen der letzten Jahre zeigen keine signifikante Verringerung, 2016 lässt nichts anderes erwarten! In den letzten Jahren bewegen sich die Zahlen der für Tierversuche benutzten Tiere in Deutschland um die 3 Mio./Jahr. Offensichtlich reichen die derzeitigen Ansätze bei weitem nicht aus, um wirkliche Verringerungen zu erreichen“, so Martin heute in Wiesbaden. „Seit Ende der 50er Jahre appelliert man an Wissenschaftler und setzt vor allem auf deren Freiwilligkeit, an Ersatzmethoden zu arbeiten. Dabei gibt es Erfolge, aber nicht in der Breite.“ Die LBT fordert deshalb von den politisch Verantwortlichen eine neue Vorgehensweise:

  1. Erarbeitung einer Strategie zur Verringerung der Tierversuche mit klaren Zielen und Festlegung der Zeiträume, in denen diese erreicht werden sollen. Dabei kann man dem Beispiel der Niederlande folgen. Diese haben 2016 einen Weg zur signifikanten Verringerung von Tierversuchen beschlossen.
  2. Eine Umverteilung der Forschungsmittel zugunsten der Weiter- und Neuentwicklung tierversuchsfreier Methoden
  3. Eine systematische nachträgliche Bewertung wenigstens solcher Versuche, die für Tiere mit erheblichen Leiden und Schmerzen verbunden sind, um den tatsächlichen Gewinn für die Gesellschaft besser bewerten und ethische Abwägungen differenzierter durchführen zu können.
  4. Eine zeitgemäße, grundlegende Novellierung der gesetzliche Sicherheitsstandards für Chemikalien und Arzneimittel, die die Etablierung der Ersatzmethoden erleichtern

Die Landestierschutzbeauftragte führt dazu aus: „Der Tierversuch wurde als wissenschaftliche Methode nie validiert. Diese Validierung, die eine Reproduzierbarkeit des Versuchsergebnisses überall unter den gleichen Umständen sicherstellen soll, wird aber von den Ersatzmethoden verlangt und der Tierversuch mit seinen Ergebnissen als „Goldstandard“ gewertet. Dies ist beinahe aberwitzig und verhindert fraglos viele zukunftsorientierte Ansätze, die besser auf den Menschen abgestimmt wären, als Tierversuche.“

Hintergrund:

Die Niederlande haben Ende 2016 eine Strategie entwickelt, um bis 2025 weltweit führend in der tierversuchsfreien Forschung zu werden und dazu einen Fahrplan zum Ausstieg aus der tierexperimentellen Forschung erarbeiten lassen. Für die gesetzlich vorgeschriebenen Sicherheitsprüfungen von Chemikalien, Pestiziden, Nahrungsinhaltsstoffen sowie Human- und Tierarzneimittel, ebenso wie für biologische Stoffe wie Impfstoffe, kann dem niederländischen Bericht zufolge bis 2025 vollständig auf Tierversuche verzichtet werden, ohne den Sicherheitsstandard zu gefährden. In der angewandten Forschung sieht das Komitee Möglichkeiten, viel schneller voranzukommen als das derzeit der Fall ist, beispielweise mittels der Konzentrierung auf tierversuchsfreie Methoden bei der Entwicklung von menschlichen Krankheitsmodellen. Bei der Grundlagenforschung empfiehlt das Komitee, für jeden Bereich einen Fahrplan mit einer 10-Jahres-Frist auszuarbeiten, um Tierversuche deutlich zu reduzieren.

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Internationalen Tag des Versuchstieres als PDF
Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz