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Unfallvermeidung: Wie verlässlich sind Abbiegeassistenten? - kommunalwirtschaft.eu

Jeden Tag im Jahr stirbt nach Angaben des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) mindestens eine Radfahrerin oder ein Radfahrer, am häufigsten durch fahrlässig abbiegende Autos und Lastwagen. Wenn große Fahrzeuge und Lkw im Straßenverkehr rechts abbiegen, entsteht aus Perspektive der Fahrenden ein „toter Winkel“, in dem andere Verkehrsteilnehmende schnell übersehen werden können.

Da die Fahrerkabine deutlich höher liegt und das Fahrzeug im Ganzen wesentlich breiter ist, ist dieser Winkel größer als bei normalen Pkw. Schätzungen von VKU-Mitgliedern zufolge biegen die Fahrenden von Abfallsammelfahrzeugen – abhängig von der jeweiligen Verkehrsführung – etwa 300 bis 400 Mal pro Tagestour rechts ab. Es besteht also eine ständige Unfallgefahr!

Abbiegeassistenten können helfen

"Wenn man die Unfälle im Detail rekonstruiert, dann stellt man fest: Der Fahrradfahrer taucht für einen Bruchteil der Sekunde in einem der vielen Spiegel auf, dann ist er weg und dann taucht er ganz kurz in einem anderen Spiegel auf," sagte Wolfram Hell, Unfallforscher an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) im Oktober dem Bayerischen Rundfunk. Es sei für Lkw-Fahrende praktisch nahezu unmöglich, Radfahrerinnen und Radfahrer rechtzeitig zu sehen. Durch Lkw-Abbiegeassistenten könnten laut ADFC 60 Prozent der tödlichen Abbiege-Unfälle mit Radfahrenden verhindert werden. Das System warnt beim Abbiegen vor Objekten rechts neben dem Fahrzeug, die ansonsten im „toten Winkel“ verschwinden. Laut ADFC sind derzeit jedoch weniger als fünf Prozent der Fahrzeuge mit der mehrere Tausend Euro teuren Technik ausgestattet. Aber: Ab 2022 werden Abbiegeassistenten EU-weit für neue Lastwagen und Busse eingeführt, ab 2024 muss jeder neu zugelassene Lkw ein solches System haben. Es gibt bisher drei verschiedene Typen von Abbiegeassistenten:

Typ 1: Kamerabasierend

Ein kamerabasierendes System nutzt eine Weitwinkelkamera, welche vorne rechts am LKW angebaut wird und auf dem Bild den gesamten "toten Winkel" auf der rechten Seite zeigt. Dieser kann durch Signale wie Lenkeinschlag, Geschwindigkeit und Blinker aktiviert werden. Außerdem werden der Bereich rechts hinter der A-Säule und die ersten sechs Meter des Fahrzeugs im Abstand von 2,5 Meter von 4 Sensoren überwacht, die Hindernisse über eine LED-Anzeige im Fahrerhaus anzeigen. Ein Hindernis wird erkannt und das System gibt ein akustisches und visuelles Signal aus.

Typ 2: Radarbasierend

Radarsysteme überwachen permanent den Bereich rechts neben dem Fahrzeug und erkennen sich bewegende Objekte. Dem Fahrenden wird ein optisches Signal gegeben, welches bei berechneter möglicher Kollision auf „rot“ springt und ein zusätzlichen Warnton ausgibt. 

Typ 3: Softwarebasierend

Softwarebasierende Systeme analysieren mit Hilfe einer Kamera in Echtzeit Farbveränderungen in der Bildfrequenz und erkennen so über einen Algorithmus Gefahren im „toten Winkel“. Der Algorithmus unterscheidet dabei zwischen bewegten Objekten (z.B. Radfahrende oder zu Fuß Gehende) und statischen Objekten (bspw. Ampeln, Masten oder parkende Autos). Beim softwarebasierten System löst der Alarm nur dann aus, wenn sich bewegende Objekte im Gefahrenbereich befinden; statische Objekte werden „herausgefiltert“. Moderne Abbiegeassistenten warnen zweistufig: Befindet sich zum Beispiel ein Radfahrer im Gefahrenbereich vom LKW, wird zunächst nur optisch gewarnt (durch eine LED-Warnleuchte oder optische Hervorhebung im Monitor in der Fahrerkabine). Leitet der Fahrer danach einen Abbiegevorgang ein, wie durch das Setzen des Blinkers oder durch den Einschlag des Lenkrades, ertönt zusätzlich ein akustischer Alarm. Softwarebasierende Systeme benötigen neben einer Kamera am LKW-Dach ein Steuergerät (ECU) für die Bildauswertung. Durch die hohe Positionierung der Kamera am LKW-Dach erfasst die Software einen sehr großen Teil der Umgebung, was datenschutzrechtlich schwierig werden kann.

Welche Nachteile haben die Systeme?

„Der Abbiegeassistent ist sicher eine gute Hilfestellung für den Fahrer“, sagt Bernd Leowald von der Hamburger Stadtreinigung und Referent bei der Akademie für Kommunalfahrzeugtechnik (AKT). „Bei dem heutigen Stand der Technik kann er sich jedoch nicht zu 100% auf ihn verlassen.“ So zeigen beispielsweise kamerabasierende Systeme dem Fahrenden das Geschehen nur auf einem Monitor an. Diese helfen jedoch nur in dem Moment, in dem der Fahrende auf den Monitor schaut. Gleichzeitig müssen die vielen Rückspiegel, den Gegen- und Querverkehr sowie Schilder und Ampeln beachtet werden. Außerdem funktionierten die Systeme im Dunkeln und bei schlechtem Wetter nur begrenzt. Abbiegeassistenten die akustisch warnen, sobald sie bewegliche Objekte neben dem Lkw entdecken, sind deshalb den rein kamerabasierten Systemen vorzuziehen. Der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) betont allerdings, dass die Technik auch wirklich ausgereift sein muss. Denn löst z.B. ein System zu häufig Fehlalarm aus, besteht die Gefahr, dass die Fahrenden im Ernstfall nicht mehr richtig reagieren. Ideal wären aus Sicht der Unfallforschenden der Versicherer solche Abbiegeassistenten, die im Notfall automatisch bremsen. Diese Technik ist jedoch noch nicht verfügbar, auch wenn im Rahmen von radarbasierenden Systemen intensiv daran gearbeitet wird, dass die Fahrzeuge sofort stoppen, wenn sie ein sich bewegendes Objekt erkennen.

Mehr zum Thema Abbiegeassistenten erfahren Sie am 5.11.2019 in Bremen bei unserem Seminar „Abfallsammelfahrzeuge“. Es sind noch Plätze frei! Weitere Informationen erhalten Sie hier: https://kommunalwirtschaft.eu/veranstaltungen/fuhrparkmanager/15221-abfallsammelfahrzeuge

 

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